Mittwoch, Juni 27, 2007

Berufsschwein.

Es sind gerade Sommertanzwochen in Köln. Training wann immer dir danach ist. Morgens, mittags, abends. Gute Gastdozenten aus allen erdenklichen Ecken der Welt. Hier und da auch mal ein Teilnehmer der dir Competition bietet. Kurz: Prima Sache.

Im Grunde verbringe ich so seit ich denken kann jeden Sommer, also die spielfreie Zeit. Erst Köln, danach dann Wien. Wien spare ich mir allerdings seit einigen Jahren, obschon das nichts mit der Qualität der Sommertanzwochen dort zu tun hat. Und Köln bietet sich halt einfach an.

Ich erinnere mich noch sehr gut, wie ich das alles als ganz junge Tänzerin genoss. Gut, es gab dann in der Schule nach den großen Ferien nicht allzu viel zu erzählen. Wer interessiert sich schon detailliert für Ballett? Aber das war mir ja damals reichlich egal, ich war ohnehin nur an einem interessiert: Besser werden, und zwar schnell! Und in sechs Wochen wird man schnell besser, wenn man Gas gibt. Wie großartig ich es mir vorstellte, jeden Tag tanzen zu dürfen(!), ohne immer diese blöde Schule in den Vormittag packen zu müssen. Wie süchtig ich war. Beängstigend. Im Nachhinein. Aber okay.

Heute dann, einige Berufsjahre später, ertappe ich mich eiskalt dabei nicht recht zu wissen, warum ich jetzt in irgendeinem Kurs mal schnell 1:1 die Musik, die Bewegungen, und die Counts auf Bühnenniveau rausholen soll - wenn die einzige Belohnung dafür ist, ein paar andere Kursteilnehmer und/oder vielleicht den Dozenten glücklich zu machen.

Facts? Austanzen ist Arbeit. Arbeit wird bezahlt. Der Körper ist Material. Material nutzt ab.

Tjah! Tut mir leid.

6 Kommentare:

Blogger Sebi Protagonist meinte...

immer dran denken: ohne tasche keine competition... ;)

Mittwoch, Juni 27, 2007  
Blogger a.k.a. Applebum meinte...

Hihi...

Ich habe die Sendung nur einmal gesehen. Diese Mimöschen gehen mir auf die Nerven. Einzig akzeptable Mimose, weil wirklich unterhaltsam: Bruce. :)

Donnerstag, Juni 28, 2007  
Anonymous Anonym meinte...

Hallo Bonita,

ich weiß leider nicht, wie man sich eine "Identität" zulegt, daher bin ich hier "anonym".

Die Seite lese ich, seit eine Freundin von mir den Link geschickt hat, denn ich habe auch eine Tänzerseele, und ich liebe einfach die You-tube-Vorauswahl. Vielen herzlichen Dank an dieser Stelle!!!

Aber nun zu dem Artikel, den ich hiermit kommentiere:
Ich kann das sooo gut nachfühlen! In meiner Jugend (jetzt bin ich Anfang 30, soooo lang ist´s also noch nicht her) habe ich auch eine Tanzausbildung absolviert (Folkwang-Hochschule als Jungstudentin, also auch mit Schule am Vormittag...) Leider habe ich den Tänzerberuf nach der Ausbildung gar nicht erst ausgeübt, da mir schon in Essen einiges "vermiest" (oder erfolgreich klargemacht???) wurde.
Aber später habe ich auf Flamenco umgesattelt und dann doch noch eine kleine aber feine (allerdings viel zu kurze...) Bühnen- und Lehrerkarriere gemacht - Gott sei Dank!
Seit ich Kinder habe, habe ich komplett mit dem Tanzen aufgehört und mich seitdem immer gefragt, warum ich so wahnsinnig unzufrieden, sogar depressiv bin...
Tja, und dann hatte ich vor ca. einem Jahr endlich die glorreiche Idee, wieder mit Jazz, Modern und Ballett anzufangen - und siehe da, ich blühe regelrecht auf!
Aber, ich fühle mich genau wie in den letzten beiden Abschnitten des Artikels: Ausgetanzt wird nicht immer, nur für mich, meine Seele, mein Wohlbefinden, und das braucht eben nicht immer "bühnenreifes" Austanzen. Und das ist eben Arbeit, und der Körper ist Material, das sich nicht nur abnutzt, sondern in meinem Fall auch die Konsistenz verändert und manchmal unendlich schwer sein kann...

Naja, das wird Dich alles nicht so interessieren, aber eines kann ich sagen: Es gibt sehr wohl Leute, die sich gern über Ballettferien unterhalten - ich gehöre seit meiner Kindheit dazu!!!
Vielen Dank für den unterhaltsamen Blog, ich lese ihn wahnsinnig gern, vor allem (oder eigentlich ausschließlich) die Tanzgeschichten.

Deine Sybille

PS: Gibt es ein "Blogger-Du"?? Ich hab jetzt einfach mal geduzt, ich hoffe, das ist okay...

Mittwoch, Juli 04, 2007  
Blogger a.k.a. Applebum meinte...

Liebe Sybille,

da hast du (wir bleiben dabei) jetzt natürlich ein brisantes Thema angeschnitten. "Vermiest" oder "klar gemacht???". Meine Grundeinstellung während meiner gesamten Ausbildung war bis auf ganze wenige Ausnahmedozenten eher "Was soll ich mir von gescheiterten Künstlern erzählen lassen?" Ob das nun ein Schutzmechanismus gegen den blinden Gehorsam war, oder gar nicht so falsch gesehen, kann ich nicht sagen. Dass das aber a) eher untypisch daher kam und b) nicht auf großes Wohlwollen stieß muss ich dir nicht erklären. "Rebellisch" meinten die. Schwierige Zeit. Ein Außenstehender hat aber auch keine Ahnung mit welchen Mitteln da versucht wird junge Tänzer (Kinder…) zu brechen. Ich stehe diesem Ausbildungssystem auch nach all den Jahren - obwohl ich inzwischen schon ein bisschen verstehen kann, warum wir so hart und oft ungerecht behandelt wurden - sehr kritisch gegenüber. Denn es ist ja wahr, dieser Beruf ist sehr hart, und ungerecht, und Ballett ist einfach keine Demokratie, aber dass kann man weniger dramatisch und folgenschwer (wie viele Tänzer haben einen echten Knacks davon weggetragen und/oder aufgehört?) rüberbringen - wenn man will! Den optimalen Leistungsdruck aufbauen ohne dabei zu zerstören, scheint aber nicht jedermanns Sache zu sein, weißt du?

Ich finde es großartig, dass du wieder tanzt! Und du solltest dir überhaupt gaaar keinen Druck machen. Genieß es!

In meinem Fall ist es jedoch gerade eher so, dass mir die Inspiration fehlt. Das liegt zum einen daran, dass ich im Moment ausschließlich mit Laien trainiere. Und das ist, und das darf man auf keinen Fall persönlich nehmen, weder ein Maßstab noch eine Herausforderung.
Mein Körper macht das alles wie eh und je mit - das ist nicht das Problem. Aber ich sehe keinen Grund jeden Tag (im Training!) neue Choreographien zu lernen und auszutanzen, wenn es keinen Anreiz (ein Publikum, eine wunderbare Choreographie, jemand "wichtiges" der zuschaut, Bezahlung etc. pp) gibt. Das heißt aber nicht, dass das jemand auffällt. Das ist es ja, ich ernte dennoch Lob. Aber ich weiß, dass ich es gar nicht verdient habe. Das genügt. Und macht nachdenklich. Mehr nicht.


Und ich freue mich, wenn dir gefällt was in diesem Blog passiert. Dankeschön!

Grüße,
Bonnie

Mittwoch, Juli 04, 2007  
Anonymous Anonym meinte...

Liebe Bonnie,

vielen herzlichen Dank für die nette Antwort!!! Die könnte ich ja nun wieder kommentieren - aber das lass ich mal. Ich lese und gucke lieber weiter als selber zu schreiben...

Nach den neuesten Einträgen zu urteilen scheint die Inspiration ja nun langsam wiederzukommen, oder?
Ich wünsch es Dir jedenfalls von Herzen!

Deine Sybille

Dienstag, Juli 10, 2007  
Blogger a.k.a. Applebum meinte...

Vielen lieben Dank, Sybille!

Ja. Es ist gerade etwas besser. Man fordert mich heraus - das brauche ich. Und nächste Woche werde ich auch wieder zwecks eines Summerspecials auf meine Kollegen treffen - das ist wunderbar!

Liebe Grüße,
Bonnie

Dienstag, Juli 10, 2007  

Kommentar veröffentlichen

Abonnieren Kommentare zum Post [Atom]

<< Startseite