Illusionen (ohne Strohhalm).
Heute. 0:30 Uhr. Eine Bar am Barbarossaplatz. P.’s Laden. Er hat zu tun. Neben mir F. Daneben S. S. Gesicht kennt jeder, der in den letzten zwanzig Jahren zumindest ein ganz klein bisschen ferngesehen hat. F. hat beruflich mit Autos zu tun, wohnt im fernen Tübingen, verbringt aber dieses Wochenende in Köln, wie wir schnell erfahren. Und nun sitzt F. wie der Zufall es so will also an einer Bar zwischen gleich zwei Gestalten, die irgendwie in Fernsehen machen. Er ist hochgradig begeistert, und stellt so gleich Frage um Frage. Da er offensichtlich ein höflicher Tübinger zu sein scheint, tut er das immer brav im Wechsel. Erst eine Frage an S., dann wieder eine an mich. S. beantwortet seine Frage kurz und gewissenhaft. Ich beantworte meine Frage kurz und gewissenhaft. So geht das eine ganze Weile hin und her. Mir fällt irgendwann auf, dass S. nach beinahe jeder Frage, die er sehr knapp, aber freundlich und informativ beantwortet, für Sekundenbruchteile vergnügt in sich hinein grinst, zum weiterreden ansetzt, aber dann doch inne hält. Ich sehe förmlich wie die passende Anekdote zu der Frage über seinem Kopf schwebt. Aber? Nichts. Frage beantwortet. Gut is’. Schade, denke ich. Kann es aber nicht anprangern. Ich mache es aus einem mir in dem Moment nicht wirklich bewussten Grund ganz genauso. Irgendwann später, wir müssen wohl schon die eine oder andere Frage hinter uns gelassen haben, soll mir klar werden wieso. Wir sind inzwischen beim Ballett angekommen. F. ist nun total aus dem Häuschen. Dann räuspert er sich. Oha, denk’ ich, jetzt geht’s los. „Ihr versteht euch doch bestimmt alle ganz wunderbar?!“ Sein Tonfall tut das übrige. Dies ist keine naive Frage. Er grinst. Ich atme durch. Lege meinen Strohhalm bedacht in den Aschenbecher vor uns, nehme einen ordentlichen Schluck aus meinem Glas, gebe mich so aufgesetzt lasziv wie mir nur irgend möglich, dann frage ich, nein, ich hauche: „ Wenn ja... Guckst du es dir dann lieber an?“ S. lacht laut auf. Er greift zu seinem Glas, pfeffert seinen Strohalm in den Aschenbecher und prostet mir dann zu. „Klar.“, sagt F. „Klar!“, sage ich.Wir lachen...


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