Freitag, Juli 07, 2006

Knochenmühle.

Es ist eigentlich immer das gleiche. Du kommst in einen Ballettsaal. Auf dem Boden liegen Tänzer. Sie biegen, strecken und dehnen sich. Und sie knacken. Sie können das mit nahezu jedem ihrer Gelenke; und zwar wann immer ihnen danach ist. Und ihnen ist sehr oft danach! Ausknacken nennen sie das. Hinter dir ertönt ein Knie, vor dir ein Hüfte, und neben dir gibt sich wer seine gesamte Wirbelsäule. Mit der Geräuschkulisse die sich dadurch in einem voll besetzten Studio ergibt, könnte man problemlos eine Szene in einem Horrorfilm unterlegen. Schauderhaft, manchmal.

Eine allerdings sitzt oder liegt da und knackt nicht. Das bin ich. Ich kann es nicht! Gut, das ist gelogen. Ich kann es mit meinem rechten Fuß. Der war aber auch mal kaputt, und knackt seitdem allmorgendlich in moderater Lautstärke vor sich hin. Das verflüchtigt sich dann aber im Laufe des Tages. Und weh tut das auch nicht. Deshalb ist es auch nicht schlimm, das sagt jedenfalls mein Orthopäde. Der Rest meiner Knochen blieb zu meiner Freude bis zum heutigen Tage komplett unversehrt. Ein Phänomen in meiner Branche, das weiß ich. Ich vermeide es auch für gewöhnlich tunlichst mich an Tänzergesprächen über erlebte Verletzungen aktiv zu beteiligen, da wirken meine zwei Bänderrisse und mein gebrochener Zeh nämlich unendlich lachhaft im Vergleich.

Aber zurück zum knacken: Natürlich knackt es auch mal hier und da bei mir (nicht nur am Sprunggelenk und dem Zeh), aber fokussieren kann ich das nicht. Meine Knochen knacken einfach nicht auf Befehl. Ich habe das schon oft ausprobiert, mich experimentell wie ich nun mal drauf bin, wenn sich der Rest meiner Mittänzer noch dehnt, während ich wegen meiner Hyperflexibilität mit Langeweile gestraft bin, in alle erdenklichen Richtungen gezogen, gedreht und gequetscht, aber... Nix. Geht nicht.

Ich wollte dem Phänomen auf den Grund gehen, und so habe ich immer mal wieder Kollegen gefragt, ob sie an der knackenden Stelle mal eine Verletzung hatten. In sehr vielen Fällen wurde das zu meinem großen Erstaunen beneint. "Es knackt einfach nur." "Tut nicht weh." "Ist auf eine gewisse Art wohltuend." "Ich muss es machen, weil sonst irgendwas blockiert." Oh-kay! Aber kruzifixnochmal, kann das denn gesund sein??

Habe vorhin ein bisschen gegoogelt um endlich ein wenig Licht in diese Angelegenheit zu bringen, und siehe da:

"Beim Gelenkknacken wird im Gelenkspalt Energie freigesetzt, allerdings zuwenig um den Gelenkknorpel zu schädigen. Wenn aber über lange Zeit immer wieder geknackt wird, können die erwähnten Seitenbänder, welche ja jedes Mal hineingesaugt und wieder hinausgespickt werden, anschwellen und werden mit der Zeit überdehnt. Sie können also davon ausgehen, dass gelegentliches Knacken keine gesundheitlichen Schäden verursacht.

Wenn es allerdings gewohnheitsmäßig betrieben wird, kann es langfristig durch das wiederholte Überdehnen der Bänder zu instabilen Gelenken mit Folgeschäden (vorzeitige Abnutzung, Kraftverminderung) kommen.

Mehr Informationen zum Thema finden Sie hier."



Na also. Da haben wir’s doch. HÖRT AUF DAMIT!

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